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© Pixabay/Angeles Balaguer

So sehen Tiere die Welt

Superzoom, Restlichtverstärker, Weitwinkel und ein Mega-Farbspektrum: Die Augen von Tieren verfügen über visuelle Special-Effects, über die sie die Welt teils völlig anders wahrnehmen als wir. Ein kleiner Einblick in die Sehwelt von von Hund, Katze und Co.
Wissenswert – 23. September 2020

Tiere sehen alles nur Grau in Grau? Von wegen! Je nach Tierart sind Augen speziell an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst – so verschieden einzelne Arten sind, so sehr unterscheidet sich auch die Anatomie ihrer Sehorgane bzw. ihre Wahrnehmung von der Umwelt. Man könnte sagen: Nahezu jede Tiergruppe hat, was das Thema Sehen anbelangt, ihre ganz eigene Superkraft. 

In diesem Beitrag erfährst du

  • wie gut Tiere sehen und wie bestimmte Tierarten ihre Umwelt wahrnehmen,
  • welche Farben Tiere erkennen bzw. nicht erkennen und
  • welche anatomischen Highlights die Augen mancher Tiere aufweisen. 

Katzen

Wie manche Menschen sind Katzen von Natur aus farbenblind – sie können Rot und Grün nicht unterscheiden. Außerdem sind sie ziemlich kurzsichtig und sehen rund sieben Mal schlechter als wir. Warum Katzen trotzdem so gute Jäger sind? Sie verfügen über eine ausgezeichnete Tiefenwahrnehmung, ein riesiges Gesichtsfeld (rund 260 Grad, beim Mensch sind es 180 Grad) und erfassen auch kleinste Bewegungen sofort – und das selbst bei Nacht.

Hinter der Netzhaut von Katzen (und auch Hunden) befindet sich eine weitere Schicht, das Tapetum Lucidum – eine Schicht, die Kristalle wie Zink, Salze und Farbpigmente enthält. Durch das Tapetum schillern Katzen- oder Hundeaugen grün-gelb, wenn sie mit Blitz fotografiert oder angestrahlt werden. Der Sinn und Zweck dahinter ist natürlich ein anderer: Das Tapetum Lucidum fungiert wie ein Restlichtverstärker bei Nachtsichtkameras. Sprich, es reflektiert und verstärkt einfallendes Licht, wodurch z. B. Katzen im Vergleich zum Menschen nur etwa ein Sechstel der Lichtmenge benötigen, um sehen zu können.

So sehen Tiere die Welt – Optiker Steiermark© Pixabay_MeHe
Hunde sind von Natur aus kurzsichtig.

Hunde

In puncto Farbe sehen Hunde die Welt ähnlich wie wir, sie können Farben unterscheiden, nehmen sie aber weniger intensiv wahr. Und es gibt eine Ausnahme: die Farbe Rot, die ein Hund als Grün oder Blau erkennt. Dazu sind Bello und Co. von Natur aus kurzsichtig – was direkt vor seiner Nase passiert, sieht ein Hund zwar scharf, ab rund fünf Metern Entfernung jedoch nimmt er Dinge nur noch verschwommen wahr. Auch beim Abschätzen von Distanzen tun sich Hunde schwer. Dafür erfassen sie Bewegungen wesentlich besser wahr als wir, verfügen über eine gute Tiefenwahrnehmung, ein rund 240-Grad-Gesichtsfeld und können – wie Katzen – dank des Tapetum Lucidum Dinge auch im Dunkeln erkennen.   

Vögel

Vögel sehen im Allgemeinen sehr gut, und das mit Weitwinkel- bzw. bei einigen Arten wie Eulen sogar mit Rundumblick. Vor allem Adler oder andere Raubvögel haben wahre Superaugen – das Auflösungsvermögen ihrer Netzhaut ist drei- bis viermal so stark wie beim Menschen, weshalb sie auch schärfer sehen als wir. Und das auf enorme Entfernungen: Dank einer Art “Fernglas” im Auge erkennt ein Greifvogel ein kleines Beutetier wie eine Maus bereits aus drei Kilometern Höhe, bevor es im Sturzflug nach unten geht. Der Begriff “Adlerauge” kommt also nicht von irgendwoher.

Durch einen vierten Zapfen in der Netzhaut (Menschen verfügen über drei) können Vögel außerdem ultraviolettes Licht wahrnehmen, wodurch sie beispielsweise den Urin von Mäusen – der UV-Licht reflektiert – als leuchtende Spur sehen, sich aber auch in einem grünen Blätterdickicht besser orientieren können, was bei Nestbau und Futtersuche hilft.

So sehen Tiere die Welt – Optiker Steiermark© Pixabay/Torben Stroem
Stichwort Adlerauge: Greifvögel sichten ihre Beute bereits aus mehreren Kilometern Höhe.

Fische

Obwohl sie von Natur aus kurzsichtig sind und nur rund einen Meter weit scharf sehen, haben Fische uns eines voraus: Ein breiteres Farbspektrum. Statt wie beim Menschen nur drei verfügt ihre Netzhaut über vier Zapfentypen, über die sie die Farben Rot, Blau, Grün sowie ultraviolettes Licht wahrnehmen. Eine Korallenriff wirkt dadurch auf einen Fisch wie ein bunter Jahrmarkt voller Leuchtreklame. Das Auge eines Fisches funktioniert zwar grundsätzlich ähnlich wie das menschliche, allerdings ist die Linse starr und kann dadurch nicht auf unterschiedliche Entfernungen fokussieren. Die Lösung: Um in der Entfernung besser zu sehen, zieht ein Fisch seine Augen über einen speziellen Muskel weiter nach innen.

Tiefseebewohner haben teils riesige Augen, um das geringe Restlicht so gut wie möglich zu nutzen. Kalmare, die in der Tiefsee jagen, haben die größten Augen des Tierreichs – bis zu 30 cm im Durchmesser – mit denen sie ihre Beute im Dunkeln aufspüren. 

Insekten

Obwohl Insekten Gegenstände nur sehr verschwommen erkennen, sind ihre Augen komplex aufgebaut. Dabei gibt es zwei Arten von Lichtsinnesorganen – die Ocellen bzw. Punktaugen, mit denen sie Helligkeit wahrnehmen und die Facettenaugen (auch Komplexaugen), bestehend aus zahlreichen Einzelaugen, im Fachjargon Ommatidien genannt. Das Auge einer Biene besteht aus rund 8.000 solcher Einzelaugen, bei der Libelle sind es sogar bis zu 30.000.

Insekten sehen damit nicht besonders scharf, im Vergleich zum Menschen übertragen Facettenaugen Bilder aber wesentlich schneller: So registriert eine Biene bis zu 200 Bilder pro Sekunde – in der gleichen Zeit sendet ein menschliches Linsenauge maximal 60 Bilder ans Gehirn. Man nimmt an, dass ein Insekt dadurch z. B. ein Fernsehbild wie ein verlangsamtes Daumenkino wahrnimmt. 

So sehen Tiere die Welt – Optiker Steiermark© Pixabay/Vivoreanu Laurentiu
Über Facettenaugen verarbeiten Insekten Bilder wesentlich schneller als wir.

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