Brille zum Autofahren: Worauf es wirklich ankommt
Ob graues Herbst- und Winterwetter, tiefstehende Sonne oder wechselnde Lichtverhältnisse: Beim Autofahren sind unsere Augen das ganze Jahr über gefordert. Dass klare Sicht einen der wesentlichsten Sicherheitsfaktoren im Straßenverkehr darstellt – und auch den Komfort am Steuer wesentlich erhöht –, ist nachvollziehbar. Dabei unterschätzen jedoch viele, wie sehr unterkannte, geringfügige oder nicht ausreichend korrigierte Sehschwächen das Risiko für Unfälle steigern.
Dieser Beitrag zeigt,
- welche Anzeichen darauf hinweisen, dass du eine Brille zum Autofahren benötigst,
- warum Alltagsbrillen im Straßenverkehr oft an ihre Grenzen kommen,
- welche Eigenschaften eine Autofahrbrille aufweisen sollte und
- welche Glastypen sich für eine Brille zum Autofahren eignen.
Warum gutes Sehen im Straßenverkehr so wichtig ist
Sicherheitsaspekt und gesetzliche Vorgaben
Auch wenn du das Gefühl hast, gut zu sehen: So wie du von Zeit zu Zeit das Pickerl für dein Auto erneuern lässt, brauchen auch deine Augen einen regelmäßigen Check-up inklusive Sehtest – idealerweise einmal jährlich. Bei einem Fachoptikbetrieb kannst du nicht nur deine Sehleistung testen lassen, sondern findest auch gleich heraus, ob deine Brille für den Straßenverkehr geeignet ist.
Neben dem Sicherheitsaspekt ist noch ein weiterer Faktor relevant: Wird im Falle eines Unfalls nachgewiesen, dass die fahrende Person ihre Sicht nicht ausreichend mit einer entsprechenden Brille oder Kontaktlinsen korrigiert hat, kann es zu Problemen mit der Versicherung kommen.
Solltest du eine Brille (oder Kontaktlinsen) benötigen, muss deine Sehhilfe im Führerschein eingetragen werden. Ist man ohne die eingetragene Sehhilfe unterwegs, drohen eine Geldstrafe bzw. bei Wiederholung auch der Entzug der Lenkberechtigung.
Ebenfalls gut zu wissen: In Österreich gibt es zwar keine gesetzliche Verpflichtung, eine Ersatzbrille beim Autofahren mitzuführen. In einigen europäischen Ländern (Spanien, Portugal, Schweiz und Frankreich) ist das Mitführen einer Reservebrille gesetzlich vorgeschrieben. Weshalb eine zweite Brille vor allem beim Reisen immer sinnvoll ist.
Benötige ich eine Brille zum Autofahren?
7 Anzeichen dafür, dass du eine Autofahrbrille brauchst
Selbst wenn du im Alltag oder bei der Arbeit keinerlei Probleme mit deiner Sehkraft hast, sind die Anforderungen an die Sehleistung im Straßenverkehr oft anders. Achte auf folgende Hinweise:
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Du nimmst Straßenschilder unscharf/verschwommen wahr und erkennst sie erst verzögert.
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Es fällt dir schwerer als früher, die Informationen auf Armaturenbrett und Display rasch zu erfassen.
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Du nimmst entgegenkommende Fahrzeuge oder andere Verkehrsteilnehmende oft erst im letzten Moment wahr.
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Du hast Schwierigkeiten, zwischen Nähe und Ferne zu fokussieren und Entfernungen richtig einzuschätzen (z. B. beim Überholen).
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Du hast das Gefühl, bei Dämmerung und/oder trübem Wetter schlechter zu sehen.
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Die Scheinwerfer anderer Fahrzeuge blenden dich stark und beeinträchtigen deine Sicht deutlich.
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Du blinzelst am Steuer häufig, um schärfer zu sehen, und hast anschließend trockene, gereizte Augen. Zudem können nach dem Autofahren Augen- und/oder Kopfschmerzen auftreten.
Autofahrbrille: Auf diese Punkte kommt es an
Warum die Alltagsbrille oft nicht ausreicht
Gute Sicht beim Autofahren beruht auf mehreren Faktoren:
- Blendfrei sehen: Auch bei Nacht sollten Reflexionen reduziert sein, damit Kontraste klar erkennbar bleiben.
- Die Passform der Brille: Sitzt die Fassung nicht optimal, kann sie Teile des Sichtfelds einschränken oder durch ständiges Verrutschen ablenken.
- Anpassung an aktuelle Sehbedürfnisse: Ab dem 40. Lebensjahr entwickelt sich u. U. bereits eine Alterssichtigkeit ein, welche die visuelle Wahrnehmung schleichend beeinträchtigt.
Eine Autofahrbrille sollte deshalb diese Merkmale aufweisen:
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BREITES SICHTFELD
Großflächige Gläser erweitern das Sichtfeld und bieten dir mehr Überblick – ein klarer Vorteil im Straßenverkehr. Schmale, dezente Bügel unterstützen zusätzlich das periphere Sehen. So werden andere Verkehrsteilnehmende, etwa Radfahrende oder Kinder am Straßenrand, früher erkannt.
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ENTSPIEGELUNG UND POLARISATION
Blendungen durch entgegenkommende Fahrzeuge oder spiegelnde Fahrbahnen können die Sicht erheblich beeinträchtigen. Entspiegelungen reduzieren störende Reflexionen. Polarisierende Gläser filtern reflektiertes Licht gezielt heraus und verbessern Kontraste – auch bei anspruchsvollen Lichtverhältnissen.
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TÖNUNG UND BLUEBLOCK-FILTER
Blaulichtfilter verringern die Belastung durch kurzwellige Lichtanteile und unterstützen eine kontrastreiche Sicht, besonders bei Dämmerung oder Nacht. An sonnigen Tagen bieten getönte Gläser mit Sehkorrektur zusätzlichen Schutz. Tönungen in Braun, Grün oder Grau verbessern den Sehkomfort, ohne Farben zu verfälschen.
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NO-GO: BLAUE UND ROTE GLÄSER
Blaue Brillengläser sind im Straßenverkehr ungeeignet, da sie Farben und Kontraste verfälschen – wodurch z. B. die Signalfarbe Orange kaum erkennbar ist. Rot als Glasfarbe wiederum eliminiert den Blaulichtanteil komplett und erschwert so das Farbsehen – was im Straßenverkehr ein enormes Sicherheitsrisiko darstellt. Mehr zzm Thema Glasfarben bei Sonnenbrillen erfährst du hier.
Brille zum Autofahren: Welche Lösung passt zu mir?
Die wichtigsten Optionen im Überblick
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EINSTÄRKENBRILLE
Für junge Autofahrer:innen ist eine Einstärkenbrille oft die erste Wahl. Sie korrigiert Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit mit einer festen Dioptrienstärke, bietet dadurch klare, scharfe Sicht. So werden Verkehrszeichen und relevante Details frühzeitig wahrgenommen.
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GLEITSICHTBRILLE
Trägst du bereits im Alltag eine Gleitsichtbrille, kannst du diese ebenfalls während des Autofahrens tragen. Zu Beginn kann es allerdings eine Zeit dauern, bis du dich daran gewöhnt hast: Die Gläser einer Gleitsichtbrille enthalten verschiedene Sehbereiche, weshalb du den Kopf beim Blick in die Innen- und Außenspiegel des Autos möglicherweise weiter drehen bzw. neigen musst, als du es zuvor gewohnt warst.
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PRAKTISCHE ALTERNATIVE
Als komfortable Zwischenlösung zwischen Einstärken- und Gleitsichtbrille empfiehlt sich eine speziell zum Autofahren optimierte Fernbrille, die im unteren Glasbereich präzise auf die Sehdistanz zu Tacho und Navi abgestimmt ist. Der Vorteil im Vergleich zur Einstärkenbrille: Sie bietet auch bei Alterssichtigkeit scharfe Sicht im Straßenverkehr. Der Vorteil im Vergleich zur Gleitsichtbrille: Die Gläser sind günstiger und bieten ein größeres Sichtfeld im Distanzbereich zum Tacho, so dass auch große Displays mit einem Blick erfasst werden können.
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SONNENBRILLE
Tief stehende Sonne, spiegelnde Fahrbahnen oder starkes Licht können die Sicht deutlich erschweren – auch dann, wenn sonst keine Brille getragen wird. Eine Sonnenbrille mit oder ohne Sehstärke mit Gläsern in Braun, Grün oder Grau reduziert Blendungen und entlastet die Augen, ohne die Farbwahrnehmung zu verändern. Für den Einsatz im Straßenverkehr eignen sich Tönungsstufen von 2 bis 3 – sie bieten ausreichend Schutz, ohne zu stark abzudunkeln.
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SELBSTTÖNENDE BRILLENGLÄSER
Diese Gläser reagieren auf wechselnde Lichtverhältnisse, indem sie bei intensiver Sonneneinstrahlung abdunkeln und bei weniger Licht wieder aufhellen. In der Praxis zeigt sich jedoch häufig ein Nachteil: Hinter der Windschutzscheibe sprechen selbsttönende Gläser verzögert oder kaum an – wodurch bleibt der Verdunkelungseffekt oft ausbleibt oder sehr gering ausfällt. Besonders bei raschen Lichtwechseln (etwa beim Einfahren in einen Tunnel) kann das problematisch werden. Aus diesem Grund sind selbsttönende Brillen fürs Autofahren nicht immer die optimale Lösung.
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